
Lange Brücke und Stadtschloss zu Berlin, zw. 1687-1690
Unbekannter Künstler
Reproduktion: Stiftung Stadtmuseum Berlin
Am 31. Juli 1443 legte Kurfürst Friedrich II. "Eisenzahn" (1440-1470) an der Cöllner Seite der Spree der damals noch unbedeutenden Doppelstadt Berlin-Cölln den Grundstein zum Schlossneubau, der um 1448 im Rohbau fertig gestellt wurde. In die Anlage wurde mit dem "Grünen Hut", der bis zur Zerstörung im Jahre 1950 erhalten blieb, ein Teil der Cöllner Stadtmauer eingebunden. Im Frühjahr 1451 bezog der Kurfürst das neue Schloss.
Die Erweiterungen durch Kurfürst Joachim II. (1535-1571), die Umbauten von Kurfürst Johann Georg (1571-1598) und die Ergänzungen durch Kurfürst Joachim Friedrich (1598-1608) bestimmten das Bild des Schlosses bis zu Schlüters Umbau. Sie umfassten bereits den äußeren Schlosshof, in dessen Ausmaßen Johann Friedrich Eosander später ab 1707 das Schloss vergrößerte.
Zunächst aber unterbrach der Dreißigjährige Krieg die Bauarbeiten. Die Architekten Johann Gregor Memhardt und Johann Arnold Nering begannen dann in der Zeit des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm (1640-1688) mit barocken Umbauten. Sein besonderes Augenmerk richtete der Kurfürst auf den nach niederländischen Vorbildern neu geschaffenen Lustgarten.

Ansicht von Schlüters Schlossmodell aus der Vogelschau von der Stechbahnseite, 1702
Radierung von Pieter Schenk
Kurfürst Friedrich III. (1688/1701-1713) wollte seine neue Königswürde als Friedrich I., König „in“ Preußen im feudalistischen Europa hervorheben. Er ließ dazu die kurfürstliche Residenz von Andreas Schlüter in ein barockes Königsschloss umbauen.
Schlüter ummantelte den Renaissancebau mit einer neuen barocken Fassade nach italienischen Vorbildern. Sein Triumph wurde aber noch vor Beendigung der Umbaupläne 1706 durch das Desaster des Münzturms jäh beendet. Der von ihm entworfene, beeindruckende 108 Meter hohe Turm neigte sich schon bald nach Fertigstellung bedrohlich zur Seite und musste schließlich wieder abgetragen werden. Schlüter büßte in der Folge seine Position als Schlossbaudirektor ein, und Johann Friedrich von Eosander gen. von Göthe übernahm seine Stellung.
Friedrich Wilhelm I. (1713-1740), der „Soldatenkönig“, strich den Hofstaat seines Vaters rigoros zusammen. Seine Sparmaßnahmen vertrieben einen Großteil der Architekten und Künstler aus Berlin. Der Schlossbau wurde nach den vorhandenen Plänen unter Martin Heinrich Böhme vollendet, der Plan einer Schlosskuppel zunächst aber aufgegeben.
Die späteren preußischen Könige verlagerten ihre baulichen Ambitionen auf die Schaffung von neuen Raumfluchten im Schloss. Friedrich II. (1740-1786), Friedrich Wilhelm II. (1786-1797) und Friedrich Wilhelm III. (1797-1840) richteten sich dort eigene Appartements ein, bevorzugten aber – wie bereits Friedrich der Große – eher andere Schlösser als Wohnorte. Unter den beteiligten Baumeistern finden sich Carl von Gontard, Carl Gotthard Langhans, Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff und Karl Friedrich Schinkel. Ihre Innenraumdekorationen gehörten zu den gelungensten Schöpfungen des Klassizismus.
Unter Friedrich Wilhelm IV. (1840-1861) erfolgte 1845 bis 1853 mit dem Bau der Schlosskuppel die erste bedeutende Veränderung des Schlossäußeren, seit es Johann Friedrich von Eosander erweitert hatte. Der Vorentwurf stammte noch von Schinkel und wurde von seinem Schüler Friedrich August Stüler abgeändert ausgeführt.

Das Schloss vom Schinkelplatz aus, 1904
Fotografie von Max Missmann
Reproduktion: Oliver Ziebe, Berlin
Kaiser Wilhelm I. (1861/1871-1888) ließ die Fassaden des inneren Quergebäudes im Stil der Neorenaissance umgestalten. Sein Enkel – Kaiser Wilhelm II. (1888-1941) – plante erneute Veränderungen und Erweiterungen am Schloss, wozu vor allem die Fürstenwohnungen und die Erweiterung des Weißen Saales gehörten, aber auch der Einbau von Bädern und eine moderne Heizungsanlage. Der Erste Weltkrieg und die Revolution beendeten vorzeitig die Arbeiten, von denen bis zur Zerstörung des Schlosses eine vorgezogene Wand im Eosanderhof von der Erweiterung des Weißen Saales kündete. Eine Angleichung der anderen Hoffassaden erfolgte nicht mehr.
In der Zeit der Revolution (1918/1919) spielte das Berliner Schloss jedoch eine entscheidende politische Rolle: Am 9. November 1918 rief Karl Liebknecht vom Balkon des Schlosses die "freie sozialistische Republik" aus.
In der Weimarer Republik zogen das Schlossmuseum mit kunstgewerblichen Exponaten und verschiedene andere Institutionen in das Gebäude ein. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Bau noch im Frühjahr 1945 bei einem Bombenangriff schwer beschädigt und brannte fast vollständig aus. Dennoch konnten bald nach Ende des Krieges die erhaltenen Räume für Ausstellungen genutzt werden, wie zum Beispiel 1946 für eine Schau des Architekten Hans Scharoun über die städtebaulichen Planungen für den Wiederaufbau von Berlin.
Die politisch motivierte Sprengung des Schlosses auf Geheiß von Walter Ulbricht, DDR-Staatsratsvorsitzender und SED-Parteichef, am 07. September 1950, beendete vorerst die Geschichte des Berliner Schlosses.
Die freigewordene Fläche wurde zunächst als Fest- und Aufmarschplatz für die Massenkundgebungen der DDR genutzt. Unter den zahlreichen Planungen für den Ausbau von Ost-Berlin als Hauptstadt der DDR gab es auch Vorschläge für Hochhäuser im Stil der Stalin’schen Prachtbauten von Warschau und Moskau. Sie wurden aber nicht realisiert.
Erst mehr als 20 Jahre nach der Sprengung des Schlosses wurde mit dem Bau des Palastes der Republik als Sitz der Volkskammer der DDR sowie Konzerthalle und Kulturhaus begonnen. Der Entwurf stammte von Heinz Graffunder, dem Chefarchitekten und Leiter des Entwurfskollektivs. Der Palast der Republik wurde am 23. April 1976 eröffnet. Das große Gebäude erhielt durch seine Restaurants und Bars auch den Charakter eines Volkshauses, das viele Bürger der DDR positiv in Erinnerung behalten haben. Am 23. August 1990 stimmte die erste frei gewählte Volkskammer im Palast der Republik dem Einigungsvertrag zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland zu.
Nach Protesten der Beschäftigten wegen der Gesundheitsgefährdung durch die Asbestbelastung wurde hier auch die Schließung des Palastes von der Volkskammer noch zu Zeiten der DDR beschlossen. Da das Gebäude durch die Asbestsanierung bis auf den Rohbau abgetragen werden musste, beschloss der Deutsche Bundestag schließlich den Abriss, welcher 2008 abgeschlossen wurde.
Die technisch zwingenden Gründe für Schließung und Abriss des Palastes wurden schon früh durch die Schlossdebatte überlagert. Wilhelm von Boddien hatte diese Idee zusammen mit York Stuhlemmer 1993/94 durch die 1:1 - Simulation der Schlossfassaden eindrucksvoll in die Welt gesetzt.
Die entkernte Hülle des Palastes der Republik bot verschiedenen Künstlern und Eventmanagern eine spannende Kulisse für unterschiedlichste Performances und Veranstaltungsideen. In einer spektakulären Kunstaktion wurde auf dem Dach des Palastes in weit sichtbaren Großbuchstaben das Wort ZWEIFEL angebracht. Dies alles zeigt einmal mehr, wie bedeutungsgeladen der Ort ist, an dem das Berliner Schloss – Humboldtforum entstehen wird – und es ist Ansporn und Anspruch zugleich, für ein spannendes und anregendes Programm zu sorgen.
2008 hat die Stadt Berlin auf der ehemaligen ‚Palastwanne’, dem verbliebenen Fundament des Palastes der Republik, eine große Wiese angelegt. Mit Holzstegen ist sie zurückhaltend landschaftlich gestaltet. Gleich nebenan unternimmt das Landesdenkmalamt zwischen Werderschem Markt und Rathausstraße seit mehreren Jahren umfangreiche archäologische Grabungen und nutzt damit die Zeit vor Beginn der Baumaßnahmen für das Berliner Schloss - Humboldtforum und vor der Verlegung der Straße am Schlossplatz. Ein Teil der dabei entdeckten Reste des alten Schlosses wird später in das Museum der Geschichte des Ortes einbezogen. Es ist daran gedacht, die entdeckten Kellerräume in der ehemaligen südwestlichen Gebäudeecke des Schlosses als ‚Archäologisches Fenster’ für Besucher begehbar zu machen.