Die überreichen Sammlungen des Ethnologischen und des Museums für Asiatische Kunst werden den größten Raum im Humboldtforum einnehmen. Sie zeugen von dem seit Jahrhunderten bestehenden Interesse der Europäer an der kulturellen Vielfalt der anderen Kontinente. Der Schlossplatz ist für diese Sammlungen der richtige Ort: gegenüber der Museumsinsel, die den europäischen Kulturen mitsamt ihren nahöstlichen Wurzeln gewidmet ist. Museum, Bibliothek und Universitätssammlung kehren im Berliner Schloss - Humboldtforum an den Ort ihres Ursprungs zurück. Die außereuropäischen Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, die heute über eine halbe Million Exponate umfassen, gehen auf die Kunstkammer im Schloss zurück.
Es entsteht ein attraktives Ausstellungs-, Veranstaltungs- und Bildungszentrum, eingebunden in ein globales Netzwerk, ein Ort für Kunstgenuss ebenso wie für die Auseinandersetzung mit den Chancen und Risiken der Globalisierung. Die Komplexität außereuropäischer Kulturen wird über vielfältige Medien (Objekte, Bilder, Texte, Tonaufnahmen, Film, Theater, Musik) vermittelt werden.
Die Exponate werden in ihren ästhetischen und künstlerischen Qualitäten zur Geltung kommen, aber auch im Hinblick auf ihre Aussagekraft zu gesellschaftlichen und geschichtlichen Fragen. Ganz im Sinne Humboldts wird deutlich werden, welchen Einfluss die natürlichen Lebensbedingungen der Menschen in den unterschiedlichen Regionen der Erde auf kulturelle Entwicklungen haben können und umgekehrt. Aktuelle Kernfragen unserer Zeit werden sich hieran anschließen lassen. Zudem wird dargestellt, auf welchen Wegen und unter welchen Umständen die Objekte nach Europa kamen (Geschichte des Sammelns, die Rolle des Handels, der Forschungsreisen, des Kolonialismus) und welche Wechselwirkungen der Kontakt der Kulturen jeweils auslöste.
Vorgesehen ist eine modulare, flexible und veränderbare Ausstellungsarchitektur, denn zeitgemäße Auseinandersetzung mit außereuropäischer Kunst und Kultur ist ein dynamischer Prozess. Integraler Bestandteil des Humboldtforums ist die Einbindung außereuropäischer Forscher- und Expertengruppen sowie zeitgenössischer Künstler.
Die Humboldt-Universität besitzt eine besondere Beziehung zum Berliner Schloss. Dort befand sich eine Kunstkammer, deren Sammlungen bei Gründung der Universität weitgehend in Universitätsbesitz übergingen, so dass der Forschungs- und Lehrbetrieb von Beginn an darauf aufbauen konnte. Nicht nur Texte sollten nach dem Willen der Gebrüder Humboldt studiert, sondern auch Objekte begriffen werden. An diese Idee wird die Humboldt-Universität anknüpfen, um im Humboldtforum den Dialog mit den außereuropäischen Kulturen wissenschaftlich zu begleiten und an ausgewählten Objekten und Themen öffentlich zu inszenieren. In zeitgemäßer Übersetzung der Ideen von Wilhelm und Alexander von Humboldt wird der ganze Reichtum wissenschaftlicher Expertise zu den Themen des Humboldtforums durch wechselnde Ausstellungen und ein vielfältiges Rahmenprogramm für eine breite Öffentlichkeit anschaulich.
Im „Humboldt-Labor“ der Humboldt-Universität, einem großen Ausstellungs- und Veranstaltungssaal mit angrenzenden kleineren Räumen, soll die konzentrierte Betrachtung einzelner Themenfelder, Texte und Objekte mit einer universellen Denkweise verbunden werden. Thematische Wechselausstellungen, ausgehend von den reichen Beständen universitärer Sammlungen und einer vitalen Forschung, legen einen Schwerpunkt auf den Dialog mit außereuropäischen Kulturen. Themenbegleitende Veranstaltungen stellen die Objekte in vielfältiger Weise in ihre kulturellen und sozialen Zusammenhänge. Auf diese Weise kehrt die Verbindung von Museum und Wissenschaft, Sammlung und Experiment, Forschung und Vermittlung in das Schloss zurück. Was in verschiedene Institutionen getrennt wurde, soll nun wieder als lebendige Einheit erlebbar werden.
Die Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) und die wissenschaftliche Sammlung der Humboldt Universität werden die Lebendigkeit und die Vielfalt des kulturellen Dialogs im Humboldtforum fördern.
Die ZLB ist die größte öffentliche Bibliothek in Deutschland und eine der meistfrequentierten Kultureinrichtungen Berlins. Sie bietet Raum für interdisziplinäres Lernen, kreatives Arbeiten, zwischenmenschliche Kommunikation und interkulturellen Austausch. Durch ein vielfältiges Medienangebot und einen freien Zugang zu Wissenschaft, Kunst und Unterhaltung unterstützt die ZLB Menschen in ihrer geistigen und kulturellen Bildung und fördert ein tolerantes und offenes Weltverständnis.